Presseinformation der KZVB vom 27.06.2001
"Ersatzkassen wollen nicht zahlen"
Bayerischen Zahnärzten 11,9 Millionen Mark abgezogen / Geld fehlt für aktuelle Behandlungsleistungen
Ab sofort werden die Versicherten, z. B. der Barmer Ersatzkasse in Bayern, für ihren Zahnarzt zu "Risikopatienten". Bereits seit Montag dieser Woche ist der Punktwert für die Behandlung von Ersatzkas-senpatienten ausgesetzt, weil das Budget nach Berechnungen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB) für das 2. Quar-tal ausgeschöpft ist. Damit nicht genug, wollen die Ersatzkassen jetzt einen Betrag von fast 12 Millionen Mark von den bayerischen Zahnärzten für das vergangene Jahr zurückholen. Mit Schreiben vom 26.06.2001 kündigten die Ersatzkassenverbände der KZVB den Einbehalt und die Verrechnung dieser Summe mit laufenden Ab-schlagszahlungen für konservierende und chirurgische Behandlun-gen an. Für KZVB-Chef Dr. Rolf-Jürgen Löffler ist der Einbehalt in dieser Höhe "eklatant rechtswidrig und steht im Widerspruch zur Entscheidung des Landesschiedsamtes".
Trotz überdurchschnittlicher Beitragssätze und angekündigter weiterer Beitragserhöhungen zählen die Versicherten von Barmer und DAK nicht mehr zu den privilegierten Kassenpatienten, wenn es um ihre Gesundheitsleistungen geht. Seit Jahren halten im Zahnbehandlungsbereich die Honorare mit der allgemeinen Kostenentwicklung nicht Schritt.
Konkret erhält der Zahnarzt immer weniger für seine Leistung, wenn er Kassenpatienten behandelt. Die Verwaltungsaufwendungen der gesetzlichen Krankenkassen werden in wenigen Jahren einen größeren Anteil der Beitragseinnahmen verschlingen, als für die Zahnheilkunde insgesamt zur Verfügung gestellt wird, befürchtet die KZVB-Führung. Die Verwaltungskosten der Krankenkassen sind im Zeitraum 1976 - 1999 (alle Zahlen bezogen auf Westdeutschland) von 4,5 auf annähernd 6 Prozent gestiegen. Umgekehrt hat sich der Anteil der GKV-Ausgaben für zahnärztliche Leistungen in den vergangenen 24 Jahren von 15,11 auf 8,86 Prozent fast halbiert.
Unter der Inflationsrate
Trotz dieser kontinuierlichen Abwärtsentwicklung bei den Aufwendungen für Zahnbehandlung fordert die DAK jetzt von den bayerischen Zahnärzten über vier Millionen und die Barmer gut 3,6 Millionen Mark wegen Budgetüberschreitung zurück. Für das laufende Jahr wollen die Ersatzkassen den bayerischen Zahnärzten nur eine pauschale Punktwertanhebung von einem Prozent zugestehen.
Das ist weniger als in anderen Bundesländern. Allein die Inflationsrate beträgt derzeit ca. 3,5 Prozent. Die Beitragseinnahmen im Freistaat sind dank guter wirtschaftlicher Entwicklung enorm. "Unsere bayerischen Ersatzkassenpatienten und die bayerischen Vertragszahnärzte haben deshalb kein Verständnis dafür, daß die in Bayern erwirtschafteten Versichertenbeiträge nicht für bayerische Leistungen zur Verfügung stehen", so der Vorsitzende der KZVB, Dr. Rolf-Jürgen Löffler.
Das uneingeschränkte Sachleistungssystem und ein gleichmacherischer, wettbewerbsfeindlicher Risikostrukturausgleich sind Treibriemen für diese Geldvernichtungsmaschinerie". Deshalb plädieren die Zahnärzte schon seit Jahren für mehr Transparenz durch eine sinnvolle Aufteilung von Grund- und Wahlleistungen bei der zahnärztlichen Versorgung.
Für Rückfragen:
Hans E. Glatzl, Pressestelle der Bayerischen Zahnärzte,
Tel.: (089) 72401-162, Telefax: (089) 72401-276, E-Mail: h.glatzl(at)kzvb.de


