Presseinformation der KZVB vom 05.05.2004
„Kieferorthopäden handeln legal“
Keine Sanktionen bei Rückgabe der Kassenzulassung / Chef der bayerischen Kassenzahnärzte äußert Verständnis
„Würden die rund 480 bayerischen Kieferorthopäden die Kassenzulassung zurückgeben, so wie ihre Kollegen in Niedersachsen, ist das rechtlich legal“, so beurteilt Dr. Rolf-Jürgen Löffler, 1. Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB), die Rechtsposition seiner Körperschaft zum drohenden Ausstiegsszenario in Bayern. Der Schritt ist für ihn „nachvollziehbar“, da infolge der massiven Honorarabsenkung in vielen Behandlungspositionen um bis zu 40 Prozent seit Jahresbeginn viele kieferorthopädische Praxen „betriebswirtschaftlich am Abgrund stehen und zwingend Mitarbeiter entlassen müßten“. Die Betriebe hätten „nur die Wahl, mit schleichenden Qualitätseinbußen zu Lasten der Patientengesundheit kostendeckend finanziell zu überleben oder mit hochwertiger Arbeit bei unzureichender Bezahlung durch die Krankenkassen Pleite zu gehen.“
„Das ist auch keine vorübergehende Protest-Aktion, sondern aus der wirtschaftlichen Not heraus ein dauerhafter Schritt“, schätzt der KZVB-Vorsitzende die Entwicklung ein. Die Krankenkassen haben laut Löffler diese Ausstiegswelle durch „Angstmache bei der Kostenerstattung“ beschleunigt, weil kaum mehr ein Patient sein gesetzlich zugestandenes Wahlrecht auf Kostenerstattung statt Chipkartenabrechnung wahrnimmt. Daß einige Kieferorthopäden ihre Patienten massiv zur Kostenerstattung drängen wollten, sei für die KZVB aber genausowenig tolerierbar.
Leere Drohung
Die Versorgung der bayerischen Bevölkerung in dieser Situation ersatzweise mit osteuropäischen Zahnärzten sicherzustellen, wie von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt bereits angeregt, sei ebenfalls keine praktikable Lösung, um drohende Versorgungsengpässe zu umgehen. „Allein die Sprachbarrieren oder die fehlende Infrastruktur, etwa bei der Praxisausstattung der ausländischen Kollegen, und weite Anfahrtswege zeigen, wie wenig durchdacht diese Drohung aus Berlin ist“, so der KZVBChef.
Löffler fordert die Politik und die Krankenkassen auf, endlich zu fairen und offenen Verhandlungen mit den Zahnärzten zurückzukehren. „Probleme wie Geldmangel im System und Leistungsverschlechterungen, lassen sich nicht mit der Brechstange von noch mehr Überwachungsbürokratie oder leeren Drohungen lösen. Wir brauchen ehrliche Antworten und klare, berechenbare Vorschläge, mit denen alle Partner leben können.“ In Verantwortung für eine optimale Gesundheitsversorgung der Bevölkerung propagieren die bayerischen Zahnärzte des-halb den Weg der befundorientierten Festzuschüsse.
Für Rückfragen:
Hans Glatzl, Pressestelle der Bayerischen Zahnärzte,
Tel.: (089) 72401-162, Fax: (089) 72401-276, E-Mail: H.Glatzl(at)kzvb.de


