Presseinformation der KZVB vom 07.07.2004
Zahnärzte: „Hysterische Reaktion“
Bayerns Kassenzahnärzte warnen vor Eskalation / „Stewens opfert Zahngesundheit dem Machtspiel der Krankenkassen“
Als „dreist und völlig überzogen“ verurteilt Dr. Rolf-Jürgen Löffler, 1. Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB), den Vorwurf von Sozialministerin Christa Stewens an die KZVB, der Sicherstellungsauftrag sei durch die Rückgabe von drei Kassenzulassungen gefährdet. Diese Aussage im Vorfeld des morgigen Dringlichkeitsantrages im Landtag „grenzt an Hysterie bei insgesamt 8500 Kassenzahnärzten, davon rund 450 Kieferorthopäden, die ohne zu murren unter schwierigsten finanziellen Bedingungen die Zahnversorgung der Bevölkerung per Chipkarte immer noch sicherstellen“, so Löffler. Der KZVB-Chef sieht Stewens „miß-braucht als willfähriges Werkzeug der Krankenkassen und deren SPD-Kolonne im Landtag, die nicht zulassen wollen, daß sich einzelne Zahnärzte aus diesem sozialistischen Gesundheitsgefährdungssystem endgültig verabschieden.“
Kinderopfer
Völliges Unverständnis äußert Löffler darüber, „daß dabei durch das sture Verhalten der Krankenkassen die Zahngesundheit von Kindern auf dem ideologischen Altar eines verlogenen Sachleistungssystems geopfert wird“. Die Kassen seien jederzeit und rechtlich zulässig in der Lage, die Behandlung auch ohne Chipkarte zu bezahlen. An diesem „Kesseltreiben gegen drei mutige Kollegen mitzuwirken“, sei der eigentliche Skandal, der die CSU-Regierung treffe. „Als langjähriger CSU-Gemeinderat und Parteimitglied schäme ich mich über das Verschwinden jeder sozialen Regung bei einer Partei mit sicherer Zweidrittel-Mehrheit, die in Bayern immer auf Volksverbundenheit setzt. Eine Zahnbehandlung durch Zuweisung und Zwangsverschickung der Kinder an wildfremde Behandler, abhängig allein vom Kassengusto und verbunden mit einem faktischen Berufsverbot für den vertrauten Hauszahnarzt, ist eines freiheitlichen Staates unwürdig.“ Der KZVB-Vorstand stehe dessen ungeachtet nach wie vor zu seinem Sicherstellungsauftrag. „Nirgends in Bayern herrscht Unterversorgung,“ versichert Löffler. „Gleichzeitig lasse ich mir aber genausowenig wie mein Parteigenosse Horst Seehofer einen Maulkorb umhängen, wenn es darum geht, Mißstände in diesem maroden Sachleistungssystem anzuprangern,“ gibt sich der KZVB-Chef zuversichtlich. Den verfassungsrechtlich fragwürdigen Drohungen aus dem Ministerium sieht Löffler deshalb mit Gelassenheit entgegen: „Ei-gentlich müßte ich den Kollegen raten, die Arbeit niederzulegen, weil eine moderne Zahnheilkunde unter diesen Bedingungen ethisch und betriebswirtschaftlich nicht zu vertreten ist."
Für Rückfragen:
Hans Glatzl, Pressestelle der Bayerischen Zahnärzte Tel.: (089) 72401-162, Fax: (089) 72401-276, E-Mail: H.Glatzl(at)kzvb.de.


