KZVB kritisiert Einmischung des GKV-Verbandes in Privatabrechnung

Dr. Janusz Rat, Dr. Stefan Böhm, Vorstand der KZVB

Ein verspäteter Aprilscherz ist aus Sicht der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB) die Forderung des Verbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Verband), künftig Privatrechnungen von Zahnärzten kontrollieren zu wollen.

„Eine private Vereinbarung zwischen Zahnarzt und Patient fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich der gesetzlichen Krankenversicherung. Der GKV-Verband überschreitet seine Kompetenzen. Es ist mir ein Rätsel, wie ein erfahrener Kassenfunktionär auf eine solche Schnapsidee kommen kann. Die Krankenkassen sollen sich auf ihre Pflichtaufgaben konzentrieren. Dazu gehört die Finanzierung der Vertragszahnheilkunde. Solange es bei einigen Kassen, allen voran bei der AOK Bayern, zu Budgetüberschreitungen und Honorarkürzungen kommt, sollte sich die GKV keine neuen Aufgaben ans Bein binden“, meint der KZVB-Vorsitzende Dr. Janusz Rat.

Rat befürchtet zusätzliche Kosten für die Beitragszahler

„Der GKV-Spitzenverband nimmt den Mund zu voll. Wie wollen die Krankenkassen rund 60 Millionen private Zahnarztrechnungen pro Jahr kontrollieren? Das ginge nur, wenn der in-transparente Krankenkassenapparat noch weiter aufgebläht wird.“

Teilweise Entmündigung der Patienten

Rats Stellvertreter Dr. Stefan Böhm ergänzt: „In der Zahnmedizin gibt es viele verschiedene Therapiemöglichkeiten für denselben Befund. Jeder Patient entscheidet selbst, ob er eine preiswerte oder eine Premiumversorgung wünscht. Genau aus diesem Grund hat der Gesetzgeber 2005 die befundorientierten Festzuschüsse eingeführt Der Vorstoß des GKV-Verbandes läuft auf eine teilweise Entmündigung der Kassenpatienten hinaus."

Die KZVB verweist auf die hohe Zufriedenheit der bayerischen Patienten mit der Arbeit der Zahnärzte. 2011 wurden in Bayern rund 1,3 Millionen Zahnersatzbehandlungen durchgeführt. Die Mängelquote lag bei unter einem Promille.

Außerdem gebe es schon heute genügend Beratungsangebote für Patienten, bei denen eine Zahnersatzbehandlung ansteht. Die KZVB bietet in den Zahnärztehäusern München und Nürnberg eine kostenlose Zahnarzt-Zweitmeinung an und arbeitet auch mit Patientenberatungsstellen vertrauensvoll zusammen.

„Unser Ideal ist der mündige und gut informierte Patient, der sich nach einer umfassenden Beratung frei für die zu ihm passende Therapie entscheidet. Da haben sich die Kassen nicht einzumischen“, so die beiden KZVB-Vorsitzenden.

Leo Hofmeier
Pressesprecher
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns                 
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