Der Böhmsche Rat

aus der Publikation kzvb TRANSPARENT Heft 17/07

 

Nachgefragt - Freiendsituation und Brücke


Nicht für jede Freiendsituation besteht keine Versorgungsnotwendigkeit und nicht jede Lücke löst in der Regelversorgung automatisch einen Brückenfestzuschuss aus – zwei Sachverhalte, die von Gutachtern der KZVB nachgefragt wurden.

Nicht für jede Freiendsituation besteht keine Versorgungsnotwendigkeit, nein es kann eben sein, dass ein fehlender Zahn 17 doch ersetzt werden muss. Der Gutachterfall ist in Beispiel 1a dargestellt. Im Unterkiefer sollten zwei Brücken erneuert werden, die vorhandenen Kronen wurden mit „kw“ befundet. Im Oberkiefer fehlte neben den Zähnen 18 und 28 auch der Zahn 17, für den der Behandler keine Versorgungsnotwendigkeit sah.

 

Beispiel 1a

Der Gutachter beurteilte den Fall anders. Da Zahn 47 bereits die Tendenz zur Elongation zeigte, musste zur Vermeidung des Verlustes von Zahn 47 der Befund im Oberkiefer versorgt werden. In unserem Fall wurde dies durch eine Freiendbrücke mit einem Brückenglied 17 bewerkstelligt.

In diesem Zusammenhang soll darauf hingewiesen werden, dass das Brückenglied lediglich Prämolarenbreite haben darf. Die korrekte  Gesamtplanung ist aus Beispiel 1b ersichtlich. Die Regelversorgung im Oberkiefer stellt den herausnehmbaren Zahnersatz dar, der den Festzuschuss 3.1 auslöst. Im Unterkiefer wird zweimal der Festzuschuss 2.2 für die Brücken und insgesamt dreimal der Festzuschuss 2.7 für die Verblendung ausgelöst.

Aufgrund des Wechsels der Versorgungsform haben wir es im Oberkiefer mit einer andersartigen Versorgung zu tun, die Unterkieferversorgung ist wegen der Verblendungen als gleichartige Versorgung anzusehen.

 

Beispiel 1b

Im Beispiel 2 geht es um die Frage, ob die fehlenden Zähne 34 und 36 in der Regelversorgung mit Brücken versorgt werden dürfen, wenn der Oberkiefer mit einem intakten herausnehmbaren Zahnersatz (Modellgussklammerprothese,
Totalprothese) versorgt ist. Die Frage, die sich stellt, ist, ob die Lücken im III. Quadranten als Einzelzahnlücken zu werten sind und diese somit in der Regelversorgung mit Brücken versorgt werden können.


Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir die Festzuschuss-Richtlinie Nr. 3 Abs. 2 bemühen. Dort heißt es: „Bei Vorliegen einer herausnehmbaren
Versorgung im Gegenkiefer (Modellgussklammerprothese, Totalprothese) ist festsitzender Zahnersatz, soweit nicht mehr als 4 Zähne je Kiefer fehlen, grundsätzlich indiziert bei der Versorgung einer zahnbegrenzten Lücke mit einem fehlenden Zahn je Seitenzahngebiet sowie bei der Versorgung von bis zu zwei Einzelzahnlücken oder einer Lücke mit bis zu vier nebeneinander fehlenden Zähnen im Schneidezahngebiet.“

Es ist also von einer zahnbegrenzten Lücke mit einem fehlenden Zahn je Seitenzahnbereich die Rede. Dies bedeutet, dass der Befund in unserem Beispiel 2 mit den fehlenden Zähnen 34 und 36 in der Regelversorgung mit einem herausnehmbaren Zahnersatz, der den Festzuschuss 3.1 auslöst, versorgt werden muss.

Beispiel 2

 

DR. STEFAN BÖHM
REFERENT FÜR HONORARWESEN DER KZVB