Der Vergangenheit auf den Zahn gefühlt


Dr. Michael Gleau im Dentalhistorischen Museum Zschadraß

Ein Kleinod des dentalen Berufsstandes steht im sächsischen Zschadraß. Auf 250 Quadratmetern präsentiert das Dentalhistorische Museum eine eindrucksvolle Ausstellung zur Geschichte der Zahnärzte, Zahntechniker, Zahnhygiene sowie zur Kunst- und Kulturgeschichte der Zahnheilkunde.

Dr. Michael Gleau hatte sich für das BZB in dem zwischen Leipzig und Dresden gelegenen Museum umgeschaut und mit dessen Leiter Andreas Haesler gesprochen.

Gleau: Im Museum sind nicht nur alte Praxiseinrichtungen zu sehen, auch die Geschichte des Berufsstandes wird beleuchtet. Über dessen Bezeichnung haben sich die Zahnärzte ja lange gestritten.

Haesler: Stimmt. Die Bezeichnung des Berufsstandes hat sich immer wieder geändert und war teils auch heftig umstritten. Die erste Erwähnung eines Zahnarztes geht weit zurück. Um 2650 vor Christus lebte Hesi Re. Auf einer Zedernholztafel verewigt fand man seinen Beruf – „Großer der Zahnärzte und Ärzte“. Um Christi Geburt wurde der Zahnarztberuf von Chirurgen mit ausgeübt. Später kamen Scharlatane und Zahnbrecher.

Dentisten und zahnärztliche Taxe

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Der Dentistenstand kam um 1700 auf und hatte vor dem Ersten Weltkrieg seinen Höhepunkt.

Im Bild: Die zahnärztlichen Preise per Gesetz aus dem Jahr 1815. So kostete das „Ausziehen eines Stiftes oder einer Wurzel“ 10 bis 20 Groschen. 1 bis 3 Taler mussten für die „Reinigung sämtlicher Zähne“ gezahlt werden.

Nur auf den ersten Blick ein bequemer Sessel.

Im Bild: Owens Behandlungsstuhl war in den 1860er-Jahren im Einsatz. Edel das Material: aus Mahagoni-Holz mit Mohair bezogen, ausgestattet mit einer einstellbaren Kopfstütze, veränderbarer Rückenlehne und variierbarer Sitzhöhe.

Nach dem ersten Weltkrieg


Nach 1918 brach der Disput zwischen Dentisten und universitär ausgebildeten Zahnärzten aus.
Die erste universitäre Ausbildung gab es 1884 in Berlin und Leipzig. Die Auseinandersetzungen zwischen Zahnärzten und Dentisten hielten bis 1936 an.

Im Bild: Dr. Michael Gleau nimmt Platz im Behandlungszimmer der Firma Ritter aus den frühen 1930er-Jahren. Museumsgründer Andreas Haesler hält den Bohrer. Für schattenfreies Arbeiten entwickelte die Firma das Vierlampenlicht. Praktisch und hygienisch konzipiert ist der Einwegbecherspender an der Wand.

Dann wurde festgelegt, dass beide Berufe erhalten bleiben. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Berufsbezeichnung sofort wieder Thema. In der sowjetischen Besatzungszone wurde der Dentist sofort abgeschafft, 1952 auch in der Bundesrepublik.

Das Dentalhistorische Museum ist auch für Filmproduzenten interessant...

Haesler: Wir wurden bereits über 20 Mal für die Ausstattung von Kino- und Fernsehfilmen gebucht. Am beeindruckendsten war für mich 2008 die Mitarbeit bei dem Kinofilm „Die Buddenbrooks“. Da haben wir ein Originalbehandlungszimmer von 1873 aufgebaut. Das war eine ganz tolle Erfahrung.

Die nachgebauten Sprechzimmer in Köln und Warschau für die Verfilmung von Marcel Reich-Ranickis Biografie „Mein Leben“ kommen auch von uns.

Und wir waren auch bei Helge Schneiders neuestem Film „Im Wendekreis der Eidechse“ mit an Bord. Ein sehr humorvoller Film, auf den wir uns in diesem Herbst freuen können..