Budgetierung beim Zahnarzt abschaffen

Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein und Dr. Janusz Rat, Vorsitzender des Vorstandes der KZVB

Ministerpräsident greift Vorschlag der Zahnärzte auf

München, 3. Juni 2008 – Bayerns Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein will sich aktiv dafür einsetzen, dass die Budgetierung auch bei den Zahnärzten abgeschafft wird. Das erklärte er beim heutigen Gespräch mit dem Vorsitzenden der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB), Dr. Janusz Rat, in der Staatskanzlei.


In anderen Bereichen der Medizin ist die Abschaffung der Budgetierung bereits beschlossen. Rat, in Personalunion KZVB-Chef und Vorsitzender des Verbandes „Zukunft Zahnärzte Bayern“ (ZZB), forderte hier die Gleichbehandlung der Zahnärzte mit anderen Arztgruppen. In der Zahnmedizin haben ausgeschöpfte Budgets am Jahresende in der Vergangenheit mehrfach zu sogenannten Puffertagen geführt. An Puffertagen sind keine vollen Honorare mehr garantiert, und nicht akut erforderliche Behandlungen gesetzlich krankenversicherter Patienten werden zum Teil verschoben.

Beckstein kritisierte, Puffertage seien Ausdruck einer Zwei-Klassen-Medizin. Deshalb lehne er ihre Ursache, die Budgetierung, ab. Rat führte an, zwar gebe es für Zahnersatzleistungen (zum Beispiel Brücken oder Kronen) seit Einführung der Festzuschüsse keine Budgets mehr, zahnerhaltende Maßnahmen (zum Beispiel Füllungen) seien jedoch weiterhin gedeckelt: „Wir Zahnärzte betreiben gerade in Bayern sehr erfolgreich Prophylaxe, denn wir verstehen uns nicht mehr als Reparaturwerkstatt. Wir wollen Zähne lieber erhalten als ersetzen. Dafür werden wir bestraft. Denn ausgerechnet bei zahnerhaltenden Maßnahmen müssen wir damit rechnen, dass unsere Honorare nachträglich gekürzt werden. Schuld daran sind die Budgets.“

Rat führte Beckstein auch vor Augen, dass die Entwicklung der Budgets weit hinter der Inflation zurückbleibt. Hintergrund ist, dass Budgets an die sogenannte Grundlohnsumme gekoppelt sind – eine „Mogelpackung“, wie der KZVB-Vorsitzende verdeutlichte. Diese Grundlohnsumme ist 2007 um lediglich 0,47 Prozent und 2008 um 0,64 Prozent gestiegen. Sie berücksichtigt nämlich nur die Lohnhöhe der gesetzlich krankenversicherten Arbeitnehmer. Mehreinnahmen der Krankenkassen durch Beitragssatzsteigerungen oder die rückläufige Arbeitslosigkeit kommen in der zahnmedizinischen Versorgung nicht an.

Beckstein stimmte zu, dass die Kostensteigerungen in den Praxen aufgefangen werden müssen, damit die bayerischen Zahnärzte ihre Patienten auch in Zukunft auf hohem Niveau versorgen können. Aus diesem Grund dürfe auch der Gesundheitsfonds die Honorare der bayerischen Zahnärzte nicht tangieren. Gegebenenfalls müssten Steuermittel zum Einsatz kommen, um die sinkenden Einnahmen der Krankenkassen in Bayern abzufedern, stellte Beckstein klar.

Zuversichtlich bewertet Rat das Gespräch mit dem Ministerpräsidenten: „Beckstein hat eine Kernforderung von ZZB aufgenommen. Sein Verständnis und seine Ankündigung, hier auch im Sinne unserer Patienten aktiv zu werden, ist nach meinem Eindruck mehr als nur Wahlkampfgetöse. Wir Zahnärzte zählen auf das Wort des Ministerpräsidenten.“

Für Rückfragen:

Julika Sandt
Pressesprecherin
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns
Fallstraße 34
81369 München
Tel.: 089 72401-184
E-Mail: j.sandt(at)kzvb.de

Fotos vom Besuch der KZVB-Delegation in der Staatskanzlei


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