Engpass bei Krankenkassen-Budgets - Millionen GKV-Versicherte in Bayern betroffen


München, 27. Oktober 2008 – Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB) hat ihre Mitglieder, die rund 8600 bayerischen Vertragszahnärzte, darüber informiert, dass sich bei den meisten gesetzlichen Krankenkassen Budgetüberschreitungen abzeichnen. Deshalb müssen – je nach Krankenkasse – im Oktober, November und Dezember sogenannte Puffertage in erheblichem Ausmaß festgelegt werden. Das bedeutet: Wenn ein Zahnarzt einen gesetzlich Krankenversicherten behandelt, ist einerseits das Wirtschaftlichkeitsgebot, das die Krankenkassen in ihrem Leistungsumfang einschränkt, strengstens zu beachten. „Dies bedeutet, Dienst nach Vorschrift’“, so Dr. Janusz Rat, Vorstandsvorsitzender der KZVB. Müssen andererseits notwendige Behandlungen durchgeführt werden, bekommt der Zahnarzt möglicherweise nicht das vereinbarte volle Honorar. Es kann bis auf ein Drittel abschmelzen.

Betroffen von dieser Behandlungseinschränkung sind fast alle der rund zehn Millionen gesetzlich Krankenversicherten in Bayern. „Wir tragen unverändert Verantwortung für die medizinische Versorgung unserer Patienten – schließlich können sie nichts dafür, dass sie für den Gesetzgeber und viele Krankenkassen nur noch einen Kostenfaktor darstellen“, sagt Dr. Janusz Rat. „Dieser Budgetmangel ist ein eindeutiges Zeichen des Systemversagens, das von starken Verwerfungen durch Mitgliederwanderungen zwischen den Krankenkassen und längst überholten Ausgangswerten aus dem Jahr 1993 verursacht wird.“

Budgets anpassen

„Die KZVB kann immer nur so viel Geld auszahlen, wie sie von den Krankenkassen erhält“, so Rat weiter. Allein in Bayern fehlen Berechnungen der KZVB zufolge in diesem Jahr etwa 40 Millionen Euro für zahnerhaltende Maßnahmen bei gesetzlich Krankenversicherten. Rat appelliert an den Bayerischen Ministerpräsidenten, Horst Seehofer, der die Budgetierung 1993 als Bundesgesundheitsminister einführte, sich für deren Anpassung einzusetzen. „Er hat sie 1993 mitverursacht, jetzt ist er es ‚seiner’ bayerischen Bevölkerung schuldig, dass die Zahnerhaltung sichergestellt bleibt.“

Der ehemalige Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein hatte der KZVB das Ende der bisherigen Budgets bereits in Aussicht gestellt.

„Wir brauchen eine Neujustierung der Ausgabenvolumina, um beim Start des leidigen Gesundheitsfonds 2009 auf einer ausgeglichenen Ausgabenbasis die Finanzierung der zahnärztlichen Versorgung der bayerischen Bevölkerung das ganze Jahr über sicherzustellen“, betonte Rat. 

Notfallversorgung uneingeschränkt sichergestellt

Die Puffertage gelten nur für zahnerhaltende, sogenannte konservierend-chirurgische Leistungen, das sind zum Beispiel Füllungen und Wurzelbehandlungen. Nicht betroffen sind Frühuntersuchungen und Individualprophylaxe bei Kindern, Kieferorthopädie und Zahnersatzbehandlungen, also beispielsweise Kronen, Brücken, Prothesen und alle Privatleistungen. Schmerzpatienten werden immer behandelt. Grundsätzlich sind Vertragszahnärzte – also Zahnärzte mit Kassenzulassung – zur Behandlung verpflichtet. Allerdings müssen sie die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Kriterien – ausreichend, zweckmäßig, notwendig, wirtschaftlich – an den Puffertagen besonders genau beachten. Damit die Notfallversorgung der Patienten uneingeschränkt sichergestellt ist, garantiert die KZVB an Wochenenden und Feiertagen den vollen Punktwert.

Die Puffertage dauern je nach Krankenkasse zwischen einer Woche und dem Gesamtzeitraum bis Jahresende. Versicherte bei den großen Krankenkassen haben etwa zwei Wochen lang mit Engpässen zu rechnen, insbesondere in den Herbstferien.

 

Für Rückfragen:

Tobias Horner
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns
Fallstraße 34
81369 München
Tel.: 089 72401-214
E-Mail: presse(at)kzvb.de

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