Zahnarzt-Zweitmeinung statt digitalem Pranger

Dr. Janusz Rat, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB)

Bayerns Vertragszahnärzte bieten Alternativen zu Bewertungsportalen

München, 25. Juni 2009 - Durch das Spickmich-Urteil des Bundesgerichtshofes fühlen sich auch die Betreiber von Arztbewertungsportalen im Internet gestärkt. So will die AOK nun möglichst schnell ihren „Arzt-Navigator“ starten. Bei den bayerischen Vertragszahnärzten stößt dieses Vorhaben nach wie vor auf scharfe Kritik. „Wir haben bessere Alternativen anzubieten“, betont Dr. Janusz Rat, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB).

Rat sieht im Vorstoß der AOK vor allem ein Marketinginstrument dieser Krankenkasse und gibt zu bedenken: „Eine zahnärztliche Behandlung ist keine Ware, deren Qualität man im Internet beurteilen kann. Wir haben in Bayern seit langem ein aufwändiges Gutachterwesen, das das hohe Niveau der zahnmedizinischen Versorgung sicherstellt.“ So habe es im Jahr 2008 bei mehr als zwölf Millionen Behandlungsfällen und davon einer Million Zahnersatzfälle in Bayern nur 716 Mängelrügen gegeben, von denen 261 abgelehnt worden seien.

Außerdem verweist Rat auf die kostenlose Zahnarzt-Zweitmeinung der KZVB. Bereits seit drei Jahren können gesetzlich versicherte Patienten, die Zahnersatz benötigen, den Heil- und Kostenplan ihres Zahnarztes von einem unabhängigen Beratungszahnarzt überprüfen lassen. Diesen Service gibt es zwar nur in den Zahnärztehäusern in München und Nürnberg. „Doch vor einer Behandlungs- und Investitionsentscheidung nehmen viele Versicherte für eine zweite Meinung auch einen weiten Anfahrtsweg in Kauf“, berichtet Rat. Der Beratungszahnarzt der KZVB schaut sich den Gebisszustand des Patienten an und überprüft den Heil- und Kostenplan.

„Wir haben Verständnis dafür, dass einige Patienten eine zweite Meinung wünschen. Doch nur ein Zahnarzt kann den Therapievorschlag eines Zahnarztes beurteilen“, so Rat. Und selbst in diesen Fällen sind über 95 Prozent der geprüften Heil- und Kostenpläne fachlich in Ordnung – ein weiterer Beleg für das hohe Niveau der zahnärztlichen Versorgung in Bayern.

Bewertungsportale wie der Arzt-Navigator der AOK sind aus Sicht der KZVB dagegen weder objektiv, noch repräsentativ, noch manipulationssicher. „Sie sind deshalb kein geeignetes Instrument zur Qualitätssicherung im Gesundheitswesen“, betont KZVB-Chef Rat. Die bayerischen Patienten hätten mehrheitlich eine langjährige Bindung an ihren Zahnarzt. „Und sollte jemand einen Zahnarzt suchen, dann ist es besser, sich im Freundes- und Bekanntenkreis umzuhören. Das ist auch im Internetzeitalter zuverlässiger als jedes Bewertungsportal.“

Für Rückfragen:

Leo Hofmeier
Tobias Horner
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns
Fallstraße 34
81369 München
Tel.: 089 72401-184
Tel.: 089 72401-214
E-Mail: presse(at)kzvb.de

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