Gesundheit ist kein Spekulationsobjekt für Heuschrecken

Bayerns Zahnärzte kritisieren Sparkurs der Privaten Krankenversicherung

"Jetzt ist die Katze aus dem Sack“, meinen die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB) und die Bayerische Landeszahnärztekammer (BLZK) mit Blick auf die jüngsten Äußerungen des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) zur Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ).

Verbandsfunktionär Volker Leienbach sieht „keinerlei Nachholbedarf“ bei den zahnärztlichen Honoraren und forderte erneut eine Öffnungsklausel, die es der PKV erlaubt, niedrigere Honorare zu erstatten als vom Gesetzgeber vorgeschrieben. „Wo bleiben die Leistungsversprechen der Privaten Krankenversicherung? Der PKV geht es also einzig und allein darum, ihre Kosten zu senken und ihre Gewinne zu steigern“, meint KZVB-Chef Dr. Janusz Rat. Dieser Sparkurs sei angesichts ständig steigender PKV-Beiträge skandalös. „Gesundheit ist kein Spekulationsobjekt. Wir Zahnärzte warten seit 23 Jahren auf den Ausgleich der allgemeinen Kostensteigerungen. Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Dann geht es zu Lasten der Patientenversorgung“, so Rat. Der Verordnungsgeber hat zuletzt 1996 die Honorare in der Gebührenordnung für Ärzte um 3,6 Prozent angehoben. Selbst diese Erhöhung wurde den Zahnärzten bis heute versagt. „Wo bleibt hier der Gleichheitsgrundsatz?“, fragt Rat. 

Der vom PKV-Verband angesprochene Kostenanstieg für zahnärztliche Leistungen von 36 Prozent in den vergangenen zehn Jahren sei nicht auf höhere Honorare der Zahnärzte, sondern einzig und allein auf den wissenschaftlichen Fortschritt in der Zahnmedizin zurückzuführen. Im gleichen Zeitraum seien zudem die Beitragseinnahmen der PKV um rund 67 Prozent gestiegen. Allein im Jahr 2010 habe sie ihre Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent auf 33,3 Milliarden Euro erhöht. Ausbezahlt worden seien davon nur 21,2 Milliarden Euro.

„Selbst nach Abzug der Altersrückstellungen ergibt das einen satten Gewinn. Es wäre also genügend Geld für eine qualitativ hochwertige Zahnmedizin vorhanden. Die PKV sollte sich gut überlegen, ob sie mit ihrem Sparkurs nicht an dem Ast sägt, auf dem sie sitzt. Eine PKV, die weniger zahlt als die gesetzlichen Krankenkassen, braucht kein Mensch“, betont Rat.

Prof. Dr. Christoph Benz, Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer, ergänzt: „Alle modernen Verfahren wie Laserbehandlung, Implantologie, Endodontie oder Zahnersatz aus Zirkonoxid sind Privatleistungen. Natürlich hat Qualität ihren Preis. Der muss sich in der Gebührenordnung widerspiegeln. Der vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegte Entwurf gefährdet unsere Spitzenposition in der Zahnmedizin“, so Benz. Auch der Wirtschafts- und Forschungsstandort Deutschland leide darunter, wenn Innovationen den Patienten aus Kostengründen verwehrt werden. „Die Zahnmedizin war bislang ein Jobmotor. Damit könnte bald Schluss sein. Die Wertschöpfung findet dann im Ausland statt“, warnt Benz.

KZVB und BLZK begrüßen, dass der Gesetzgeber wenigstens die PKV-Forderung nach einer Öffnungsklausel abgelehnt hat. Der GOZ-Entwurf müsse aber unbedingt nachgebessert werden.

„Wenn Verbandsdirektor Leienbach angesichts der Kostensteigerungen in den vergangenen 23 Jahren keinerlei Nachholbedarf sieht, ist das blanker Zynismus. Vielleicht sollte man auch seine Bezüge auf das Jahr 1988 zurückstufen“, ergänzt KZVB-Chef Rat.

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Leo Hofmeier
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns
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