„Dem modernen Menschen ähnlicher als dem Neandertaler“

Israelischer Forscher verteidigt sich im Bayerischen Zahnärzteblatt

München, 15.02.2011 - Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Archäologen von der Uni-versität Tel Aviv wollen 400.000 Jahre alte menschliche Zähne gefunden haben. Die Geschichte der Evolution müsste damit neu geschrieben werden. In der Februar-Ausgabe des „Bayerischen Zahnärzteblatts“ (BZB) verteidigt der Archäologe Avi Gopher seine For-schungsergebnisse gegen Angriffe von Kollegen.

Paul Mellars, Prähistoriker an der britischen Cambridge University, bezeichnet den Fund, den Gopher in der israelischen Kassem-Höhle gemacht hat, zwar als wichtig, weil anthropologische Überreste aus dieser Zeit rar seien. Für heikel hält Mellars allerdings die Behauptung, es handele sich um Zähne des Homo sapiens. Es sei denkbar, dass die Zähne aus der evolutionären Linie der Neandertaler stammten.

Gopher hatte dagegen im „American Journal of Physical Anthropology“ behauptet, dass die Zähne in ihrer Form denen des modernen Menschen ähneln. Damit wäre der Homo sapiens 200.000 Jahre früher entstanden als bislang angenommen.

Von den Zweifeln seines britischen Kollegen zeigt sich Gopher unbeeindruckt. Gegenüber dem BZB machte er deutlich, dass es sich bei seiner Untersuchung um eine ausführliche und wissenschaftliche Zahn-Studie handele. „Begründete Zweifel – erst recht von Kollegen - sind willkommen. Aber diese Kritik ist nur berechtigt, wenn andere die Zähne so studieren, wie wir es tun“, sagt Gopher. Er und seine Kollegen haben die Zähne aus der Kassem-Höhle mit denen verglichen, die ab 1931 in den Skhul- und Qafzeh-Höhlen in Israel gefunden wurden. Die dort entdeckten Fossilien sollen bis zu 110.000 Jahre alt sein und gelten damit derzeit als die ältesten des modernen Menschen außerhalb Afrikas. Die „Balance der Indizien“ deute darauf hin, dass die jetzt entdeckten Zähne aus der Kassem-Höhle denen aus der Skuhl- und Qafzeh-Höhle ähnlicher seien als Neandertaler-Zähnen, so Gopher.

Um genauere Informationen zu bekommen, seien Reste eines Schädels hilfreicher, meint dagegen Gophers Kritiker Mellars. „Natürlich wäre ein komplettes Skelett oder ein Schädel wünschenswert“, räumt Gopher ein. Er zeigt sich aber optimistisch, dass sein Team im Zuge von Ausgrabungen auch Schädel und Knochen finden wird, die seine These untermauern. Gopher geht davon aus, dass die Grabungen, die im Sommer 2011 beginnen, fünf bis sechs Jahre dauern werden. In der Zwischenzeit werde das Team die Untersuchungen an Zähnen, Tierknochen und Werkzeugen fortsetzen, sagte er dem BZB.

Für Rückfragen:

Leo Hofmeier
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns
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Tel.: 089 72401-184
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