Private Krankenversicherung stellt sich selbst in Frage

Zahnärzte warnen vor Aushebelung der Gebührenordnung

München, 16.02.2011 - „Mit ihrem derzeitigen Politikkurs stellt die private Krankenversicherung (PKV) ihr eigenes Geschäftsmodell in Frage“, kritisiert Dr. Janusz Rat, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns. Der PKV-Verband versucht in letzter Zeit mehrfach, die Ausgaben für zahnärztliche Leistungen zu senken. Unter anderem fordern die Privatversicherer eine sogenannte Öffnungsklausel, die es ihnen erlauben soll, Dumpingverträge mit Ärzten und Zahnärzten abzuschließen. Sie können dann für Behandlungen weniger zahlen als es die jeweilige Gebührenordnung vorsieht. „Das ist ein Angriff auf die Therapiefreiheit und auf das Vertrauensverhältnis zwischen Zahnarzt und Patient. Damit verabschiedet sich die PKV von ihrem Premiumanspruch“, kritisiert Rat.

Schon heute seien Privathonorare mit dem 2,3-fachen Steigerungsfaktor für viele Leistungen niedriger als die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Rat verweist darauf, dass eine durchschnittliche bayerische Zahnarztpraxis rund 50 Prozent ihres Umsatzes über Privatleistungen erwirtschaften muss. Eine Aushebelung der amtlichen Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) sei deshalb für viele Zahnärzte existenzbedrohend und für die Patienten leistungsmindernd.

Die GOZ ist – im Gegensatz zu den Honoraren in der GKV – seit 1988 nicht mehr erhöht worden. Die Versicherungsbeiträge sind jedoch im gleichen Zeitraum massiv gestiegen. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen der Zahnärzteschaft und der Bundesregierung über eine Anpassung der GOZ an die Kostenentwicklung und den zahnmedizinischen Fortschritt. Rat vermutet, dass die PKV ihre Gewinnmargen durch die Öffnungsklausel erhöhen will. „Dem PKV-Verband muss aber klar sein, dass höhere Qualität höhere Kosten verursacht. Eine PKV, die weniger zahlt als die GKV, braucht kein Mensch. PKV-Versicherte erwarten zu Recht, dass sie für ihre hohen Beiträge die bestmögliche Behandlung bekommen und ihr Zahnarzt dafür angemessen honoriert wird“, so der KZVB-Vorsitzende. Nur eine amtliche Gebührenordnung ohne Öffnungsklausel schütze den Versicherten vor finanziellen Nachteilen bei der Erstattung der Behandlungskosten und garantiere einen ausreichenden Versicherungsschutz.

Vom Politikkurs der rein gewinnorientierten Versicherungsbranche PKV sind Rat zufolge auch Millionen gesetzlich Versicherter betroffen, die eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen haben. „Wenn die privaten Krankenversicherungen nun versuchen, die Preise zu drücken, brechen sie ihre vollmundigen Werbeversprechen. Vom Patienten erster Klasse kann dann jedenfalls nicht mehr die Rede sein“, konstatiert Rat. Der Gesetzgeber sollte sich nicht von unseriösen Zahlenspielen der Branche täuschen lassen. Nach 23 Jahren Nullrunde hätten die Zahnärzte einen Anspruch auf einen angemessenen Ausgleich der allgemeinen Kostensteigerungen.

Für Rückfragen:

Leo Hofmeier
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns
Fallstraße 34
81369 München
Tel.: 089 72401-184
E-Mail: presse(at)kzvb.de

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