„Nahles ist eine Gefahr für die Zahngesundheit“ - Bayerische Zahnärzte werfen SPD-Generalsekretärin gesundheitspolitische Inkompetenz vor


Scharfe Kritik übt die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB) an SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. „Nahles ist eine Gefahr für die Zahngesundheit“, meint KZVB-Chef Dr. Janusz Rat.

Die SPD-Politikerin hatte die Reform der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) als „Hotelsteuer für Zahnärzte“ und „blanken Lobbyismus“ bezeichnet.

„Die Gebührenordnung ist seit 1988 unverändert. Eine Anpassung an das Leistungsgeschehen und den zahnmedizinischen Fortschritt ist überfällig. Kein Berufsstand würde es hinnehmen, 23 Jahre auf jede Gehalts- oder Honorarerhöhung zu verzichten“, entgegnet Dr. Janusz Rat.

Rat verweist darauf, dass viele moderne Verfahren bislang überhaupt nicht in der Gebührenordnung enthalten seien: „Wenn die GOZ nicht novelliert wird, laufen wir Gefahr, dass Deutschland in der Zahnmedizin den Anschluss an die Weltspitze verliert.“ Keineswegs werde der Punktwert nach dem Gießkannenprinzip erhöht. Vielmehr würden die Punktzahlen neu gewichtet. „Nach unseren Berechnungen entspricht das einer Erhöhung von sechs Prozent nach 23 Jahren Nullrunde. Das sind 0,26 Prozent pro Jahr. Bescheidener kann eine Honorarerhöhung kaum ausfallen. Dem stehen allein im Jahr 2010 Kostensteigerungen in den Zahnarztpraxen von 9,5 Prozent gegenüber.“

„Lobbyismus für die Patienten“

Rats Stellvertreter Dr. Stefan Böhm ergänzt: „Eine Neuregelung der GOZ wurde bereits von Ulla Schmidt versprochen, jedoch nicht umgesetzt. Wenn die FDP das nun anpackt, ist das in der Tat Lobbyismus, aber nicht für die Zahnärzte, sondern für deren Patienten. Spitzenzahnmedizin lässt sich flächendeckend nur sicherstellen, wenn die Praxen wirtschaftlich arbeiten können.“

Die Einführung der befundorientierten Festzuschüsse für Zahnersatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2005 habe dafür gesorgt, dass auch gesetzlich Versicherte nicht vom zahnmedizinischen Fortschritt abgekoppelt würden. Eine durchschnittliche Zahnarztpraxis erwirtschafte heute rund 50 Prozent ihrer Einnahmen durch Privatleistungen. Dadurch werde die gesetzliche Krankenversicherung Jahr für Jahr um Milliardenbeträge entlastet. Der Anteil der Ausgaben für zahnärztliche Leistungen an den GKV-Gesamtausgaben sei von zwölf auf sieben Prozent zurückgegangen. Dieses System könne aber nur funktionieren, wenn die private Gebührenordnung die tatsächlichen Kosten widerspiegelt. Die Mehrbelastung durch die GOZ-Novelle betrüge durchschnittlich nur knapp zwei Euro pro Jahr und Versichertem. All diese Zusammenhänge seien der SPD-Generalsekretärin wohl unbekannt, vermuten die beiden KZVB-Vorsitzenden.

Ansprechpartner:

Leo Hofmeier
Pressesprecher
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns                 
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