AOK Bayern plant Kahlschlag

Dr. Janusz Rat, Stefan Böhm, Vorstand der KZVB

Zahnärzte kritisieren Forderung nach achtprozentiger Gebührenabsenkung

Mit Unverständnis und Empörung hat die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB) auf neueste Forderungen der AOK Bayern reagiert. „Das, was die selbsternannte Gesundheitskasse vorschlägt, ist für jeden AOK-Versicherten und jeden bayerischen Zahnarzt ein Schlag ins Gesicht“, kommentierte der KZVB-Vorsitzende Dr. Janusz Rat den AOK-Antrag für das am Freitag, den 29. Juli, tagende Schiedsamt. Dort geht es um jene Beträge, die die Krankenkasse für die zahnärztliche Versorgung ihrer Versicherten im laufenden Jahr zur Verfügung stellt. Zuvor war es aufgrund der Blockadehaltung der AOK nicht zu einer einvernehmlichen Lösung gekommen.

Der AOK-Antrag sieht eine Absenkung des Punktwerts, mit dem zahnärztliche Behandlungen honoriert werden, um rund acht Prozent vor. Damit wäre die AOK Bayern die Ortskrankenkasse in den alten Bundesländern mit den niedrigsten Punktwerten. Und das, obwohl die Lebenshaltungs- und Praxiskosten im Freistaat weit über dem Bundesdurchschnitt liegen. Die Zahnarztpraxen haben gleichzeitig allein im Jahr 2010 Kostensteigerungen von 9,5 Prozent zu verzeichnen, insbesondere durch die Einführung verstärkter Hygienemaßnahmen. „Die AOK setzt damit die Existenz von Zahnarztpraxen vor allem in ländlichen Regionen auf’s Spiel, denn dort leben häufig überdurchschnittlich viele AOK-Versicherte“, kritisierte KZVB-Chef Rat. Offensichtlich plane die AOK einen Kahlschlag in der zahnmedizinischen Versorgung. „Die AOK verhöhnt ihre eigenen Versicherten, wenn sie mit dem Slogan ‚Bayerns Gesundheit in besten Händen‘ wirbt und gleichzeitig so drastisch an der Versorgung sparen möchte“, so Rat. „Gleichzeitig konterkariert sie die Bestrebungen des Gesetzgebers, Unterversorgungen ab-zubauen beziehungsweise zu vermeiden.“

Bei der Gesamtvergütung hat die AOK eine Nullrunde beantragt. „Angesichts der Tatsache, dass die AOK schon in den letzten Jahren zu wenig Geld für die zahnärztliche Versorgung zur Verfügung gestellt hat, ist diese Forderung an Dreistigkeit kaum zu überbieten“, erklärte der stellvertretende KZVB-Vorsitzende Dr. Stefan Böhm. Bereits heute ist der Pro-Kopf-Betrag, den die AOK für die zahnmedizinische Versorgung ihrer Versicherten zur Verfügung stellt, bis zu einem Viertel niedrigerer als der anderer Kassen. Falls sich das Schiedsamt der AOK-Forderung anschließt, würde die Schere noch weiter auseinandergehen. „Es ist ein Skandal, dass der AOK die zahnmedizinische Versorgung ihrer Versicherten so viel weniger wert ist als den anderen Krankenkassen“, so Böhm. „Dabei geht es vor allem um die Grundversorgung der Bevölkerung, also schmerzbeseitigende Behandlungen, wie Zahnfüllungen, Zahnextraktionen, Entzündungen des Zahnnervs und Untersuchungsleistungen“.

Das Fass zum Überlaufen bringt aus Sicht der KZVB eine dritte Forderung der AOK. Sie möchte den Pro-Kopf-Betrag, der derzeit bei rund 160 Euro liegt, für Sozialhilfeempfänger empfindlich absenken. „Für die AOK sind diese hilfsbedürftigen Mitmenschen offensichtlich Menschen zweiter Klasse“, erklärte KZVB-Vize Dr. Stefan Böhm. „Wir werden in den Schiedsamtsverhandlungen nichts unversucht lassen, um die AOK von ihrem Irrweg abzubringen.“

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Stv. Pressesprecher
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns                 
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