Röslers GOZ-Reform verschlechtert die Patientenversorgung

Deutschlands Zahnmedizin verliert den Anschluss an die Weltspitze
 
München, 30.03.2011 – Eine politische Bankrotterklärung ist aus Sicht der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns der gestern bekannt gewordene Entwurf einer neuen privaten Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). „Wenn das das Ergebnis jahrelanger Verhandlungen sein soll, kann man nur noch den Kopf schütteln“, so KZVB-Chef Dr. Janusz Rat.

Der seit 1988 geltende Punktwert soll dem Referentenentwurf nach nicht erhöht werden. Auch der größte Teil der GOZ bleibt unverändert. „Ich kenne keinen Berufsstand, der nach einer 23 Jahre andauernden Nullrunde ein solches Ergebnis akzeptieren würde. Wenn es bei diesem Entwurf bleibt, müssen wir Konsequenzen ziehen“, so Rat. Leidtragende einer verpatzten GOZ-Reform seien nicht nur die Zahnärzte, sondern vor allem die Patienten. Die Versorgungsqualität werde sich verschlechtern. Moderne Zahnheilkunde benötige heute enorme Investitionen und hochqualifiziertes Personal. Das lasse sich mit den Honoraren aus den achtziger Jahren nicht finanzieren.

Offensichtlich habe sich Bundesgesundheitsminister Rösler bei der Überarbeitung der GOZ die Hand vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) führen lassen, dem es nur darum gegangen sei, Ausgaben  zu vermeiden, um seine Gewinnmargen zu erhöhen. „Während die Versicherungsprämien jedes Jahr steigen, sollen wir zu Preisen wie vor 23 Jahren arbeiten“, kritisiert Rat. Zu niedrige Honorare gefährden die flächendeckende Versorgung. „Da gründet doch niemand mehr eine Praxis in ländlichen Gebieten. Die Individualbehandlung geht immer mehr verloren und die Patienten werden zukünftig in anonymen Großpraxen versorgt werden.“  

Schon heute seien GOZ-Honorare mit dem 2,3-fachen Steigerungsfaktor für viele Behandlungen niedriger als die Honorare der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). „You get, what you pay for“ – dieser Grundsatz gilt auch für medizinische Behandlungen.

Von den Folgen seien aber auch alle gesetzlich Pflichtversicherten betroffen, die sich im Rahmen der Festzuschüsse für eine höherwertige Versorgung entscheiden möchten.

„Wenn das das letzte Wort ist, werden wir in der Zahnmedizin den Anschluss an die Weltspitze schnell verlieren. Der Fortschritt findet dann nur noch in Asien und in den USA statt. Neue Verfahren stehen unseren Patienten nicht oder nur mit erheblicher zeitlicher Verzögerung zur Verfügung“, warnt Rat.

Der KZVB-Chef appellierte an die schwarz-gelben Gesundheitspolitiker, eine GOZ-Reform vorzulegen, bei der die Patienten im Mittelpunkt stehen, und nicht die Versicherungswirtschaft oder die monetären Interessen des Staates, der an den Ausgaben für seine Beihilfeberechtigten sparen will. „Gesundheit ist das höchste Gut – das sollte eigentlich ein Bundesgesundheitsministerium wissen und nicht wie ein Gesundheitsfinanzministerium agieren.“

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Leo Hofmeier
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns
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