Pressemeldung der KZVB vom 11.11.2005

Zahnersatz-Kosten konstant geblieben

Spitzenverbände der Krankenkassen verunsichern Patienten / Krankenkassen verhindern geplante Behandlungen

„Seit Einführung der Festzuschüsse sind die Kosten für Zahnersatz keineswegs gestiegen, sondern leicht gesunken“, stellt Dr. Janusz Rat, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB) klar. Nach Berechnungen der KZVB melden die Spitzenverbände der Krankenkassen bei den Kosten für Zahnersatz unkorrekte Zahlen. Darüber hinaus werden viele geplante Zahnersatzbehandlungen nicht durchgeführt, vor allem weil die Krankenkassen auf einer so genannten Gesamttherapie bestehen.

Die KZVB hat die kürzlich veröffentlichten Zahlen der AOK Bayern zu den Ausgaben für Zahnersatz für die Jahre 2004 und 2005 nachgeprüft. Die Durchschnittskosten einer Zahnersatzbehandlung hätten gemäß den genehmigten Heil- und Kostenplänen im Jahre 2005 laut AOK Bayern angeblich 1.443,34 Euro betragen und seien damit um 13 Prozent gegenüber 2004 (1277 Euro) gestiegen.

Demgegenüber sind jedoch die durchschnittlichen tatsächlichen Gesamtkosten für Zahnersatz auf 1272 Euro in 2005 geringfügig gesunken. Die Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen hat die Zahlen der AOK Bayern unkritisch übernommen.

Rat: „Wollen die Kassen Geld sparen, indem sie unsere Patienten verschrecken? Das wäre kurzsichtig, denn wenn Patienten notwendige Zahnersatz-Versorgungen aufschieben, können die Folgeschäden die Krankenkassen und die Versicherten teuer zu stehen kommen. Die Krankenkassen sollten ihr Zahlenmaterial lieber uns zur Validierung vorlegen, bevor sie es veröffentlichen, anstatt Stimmungsmache zu betreiben. Es ist offenkundig, dass die Krankenkassen darüber hinaus auch die derzeit stattfindenden Koalitionsverhandlungen beeinflussen wollten“.

Analog zum Vorgehen der AOK hat die KZVB nur Behandlungsfälle der ersten drei Quartale der Jahre 2004 und 2005 verglichen. Die Berechnungen der KZVB berücksichtigen ebenfalls alle Versorgungsformen mit Zahnersatz (Regelversorgungen, gleichartige und andersartige Versorgungen). Rat: „Im Gegensatz zu den Krankenkassen, die nur Anträge erfasst haben, beruhen unsere Zahlen auf tatsächlich abgerechneten Behandlungsfällen“.

Jedoch sind die Fallzahlen der KZVB niedriger als die Fallzahlen der AOK. Mögliche Erklärungen für die unterschiedlichen Ergebnisse von AOK und KZVB sind, dass die Kosten der Zahnersatzfälle bei Antragstellung oft höher geschätzt werden als die tatsächlichen Kosten, aber vor allem, dass sehr kostspielige Behandlungen nicht zur Durchführung gelangen. „Letzteres muss man jedoch genau hinterfragen“, so Rat weiter, „die Hauptursache für die nicht durchgeführten Zahnersatzbehandlungen liegt beim restriktiven Genehmigungsverhalten der Krankenkassen. Das Sozialgesetzbuch schreibt eine Gesamtplanung einer Behandlung vor, jedoch nicht zwingend eine daraus resultierende Gesamttherapie. Die Krankenkassen fordern jedoch zwingend die Durchführung einer Gesamttherapie“.

Folgendes Beispiel soll diese Schlechterstellung der Patienten verdeutlichen: Ein Patient verliert bei einem Fahrradunfall einen Schneidezahn im Oberkiefer, der durch eine Brücke ersetzt werden muss. Beim gleichen Patienten fehlen seit vielen Jahren jeweils ein Zahn im Unterkiefer rechts und links, was den Patienten bisher nicht weiter beeinträchtigt hat. Dieser Patient wird durch die Auslegung der Krankenkassen jedoch förmlich dazu genötigt, sich gleichzeitig auch im Unterkiefer zwei weitere Brücken anfertigen zu lassen, was die Gesamtkosten der Behandlung naturgemäß verdreifacht.

Rat schlägt vor: „Kurzfristig möglich und sinnvoll ist eine einfache und wirksame Maßnahme gegen diese Vorgehensweise der Krankenkassen: Der Gesetzgeber muss den Krankenkassen vorschreiben, dass die Gesamtplanung einer Gebiss-Sanierung nicht zwingend eine sofortige Gesamttherapie erfordert. Damit wären die Patienten nicht dem Zwang der Krankenkassen ausgeliefert, eine Gesamttherapie mit weit höheren Kosten durchführen zu lassen. Manche Patienten würden lieber die notwendige Therapie auf einen längeren Zeitraum verteilen.“

Für Rückfragen:

Julika Sandt, Pressestelle der Bayerischen Zahnärzte
Tel.: (089) 72401-184, Fax: (089) 72401-276, E-Mail: j.sandt(at)kzvb.de

 

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