Presseinformation der KZVB vom 03.03.2006

Zahnersatz: Billig ist oft teurer

Krankenkassen sparen beim Zahnersatz ihrer Versicherten / Patienten-Zuzahlungen richten sich nach der Qualität der Zahnersatzversorgung / Warnung vor exotischen Implantaten

Beim Zahnersatz sparen die gesetzlichen Krankenkassen auf Kosten ihrer Versicherten: Wie die Spitzenverbände jetzt einräumten, gingen ihre Ausgaben für Brücken, Kronen und Prothesen allein in den ersten drei Quartalen 2005 um 884,41 Millionen Euro zurück. Das entspricht einem Drittel des Ausgabenvolumens im Vorjahreszeitraum. Auf das Jahr 2005 hochgerechnet, dürften die Krankenkassen rund 1,2 Milliarden Euro gespart haben.


„Dieses Geld steht den Versicherten für ihre zahnmedizinische Versorgung zu“, meint Dr. Janusz Rat, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB). „Erneut versuchen die Krankenkassen, ihre Versicherten zu verunsichern, um weiterhin Gelder in Millionenhöhe auf Kosten der Zahngesundheit einzusparen.


Die Versicherten sollten bei ihren Krankenkassen nachfragen, wo die 1,2 Milliarden Euro hingeflossen sind.“ Grund für den Rückgang der Ausgaben ist laut Rat, dass die Krankenkassen ihre Versicherten bereits 2005 im Zusammenhang mit dem Festzuschuss-System massiv verunsichert haben und deshalb Zahnersatzversorgungen aufgeschoben wurden. „Dabei eröffnen die Festzuschüsse den Versicherten mehr Wahlfreiheiten“, stellt Rat klar.


Der jeweilige Festzuschuss orientiert sich nämlich seit 2005 am Befund. Das bedeutet, dass der Patient beispielsweise bei einer Zahnlücke einen festen Zuschuss von seiner Krankenkasse bekommt. Die Zuzahlung des Patienten richtet sich danach, ob er sich für eine Standardversorgung entscheidet, etwa für eine herausnehmbare Prothese, oder ob er eine höherwertige Versorgung wählt wie eine Brücke oder gar ein Implantat. Früher gab es bei einer Implantatversorgung überhaupt keinen Kassenzuschuss.


Zahnärzte informieren über Preis- und Qualitätsunterschiede


Der Vorsitzende der KZVB rät: „Jeder Patient sollte seinem Zahnarzt ehrlich sagen, ob ihm der Preis das wichtigste ist, oder ob er Wert auf Ästhetik und Komfort legt. Für jedes Zahnproblem gibt es nämlich verschiedene Lösungen." Um Qualität und Preise verschiedener Zahnersatzversorgungen zu vergleichen, müsse daher niemand den Zahnarzt wechseln. Hinzu komme, dass bei jeder Art der Zahnersatzversorgung unterschiedliche Materialien zur Verfügung stehen. „Dabei ist billig nicht immer günstig“, erklärt Rat. „Bei einem Implantat, das ja in den Knochen eingepflanzt wird, ist unter anderem der Reinheitsgrad der Titanbeschichtung entscheidend für die Haltbarkeit. Eine aufwändige Beschichtung können Billig-Hersteller nicht anbieten.“


Zudem sind auf jedes Implantatsystem spezielle Instrumente abgestimmt. Rat gibt den Tipp, bei Implantatversorgungen darauf zu achten, dass der Zahnarzt ein in Deutschland gängiges System verwendet: „Die meisten Implantologen sind mit Instrumenten für die gängigen Implantatsysteme ausgestattet. Ein Patient, der sich ein exotisches Fabrikat in den Kieferknochen einsetzen lässt, muss wissen, dass er auch zukünftig bei Korrekturen oder Reparaturen auf den Zahnarzt angewiesen ist, der ihm das Implantat eingesetzt hat.“

Die meisten Patienten sind mit den Informationen ihres Zahnarztes zufrieden. Das bestätigt eine aktuelle Umfrage der Krankenkassen. Patienten, die sich für eine hochwertige Versorgung entscheiden, wissen warum: Über 90 Prozent der von den Krankenkassen Befragten nannten ästhetische oder zahnmedizinische Gründe.

Für Rückfragen:

Julika Sandt, Pressestelle der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns
Tel.: 089 72401-184, Fax: 089 72401-276, E-Mail: presse(at)kzvb.de

 

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