Presseinformation der KZVB vom 04.08.2006

Kinder mit Reformschmerzen

„Die Pläne, Narkosen aus dem Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen zu streichen, machen die schmerzhaften Auswüchse von Budgets im Gesundheitswesen spürbar“, kritisiert Dr. Janusz Rat, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB).


Ob Unfall oder Nuckelflaschenkaries: Der Bewertungsausschuss der Ärzte hat entschieden, dass die Kassen ab 1. Oktober 2006 keine Vollnarkose mehr zahlen – auch wenn eine große Gebiss-Sanierung bei einem Kind ansteht. „Wenn diese Entscheidung nicht gekippt wird, ist das ein Rückfall ins Mittelalter", warnt Rat.


Ohne die Zahnärzte zu fragen, hatte der ärztliche Ausschuss seinen Beschluss gefasst. Das Motiv: Die Kosten für die Narkosen – im letzten Jahr rund 280 Millionen Euro – gehen zu Lasten des Ärztebudgets. Rat stellt fest: „Der Vorfall beleuchtet, dass Budgets Zahnschmerzen verursachen. Reformen, die die Mittel im Gesundheitswesen reduzieren, schaden der Gesundheit. Wenn Politiker behaupten, es gäbe noch Rationalisierungsreserven im System, ist das Wunschdenken.“


Rat zufolge kommt die ITN vor allem bei Kindern zum Einsatz, deren Gebiss in einem sehr schlechten Zustand ist. In Einzelfällen sei eine ITN aber auch bei Behinderten und Angstpatienten nötig. Mit einer ITN könne bei einer Behandlungssitzung eine komplette Gebisssanierung erfolgen. Kassenpatienten müssten die Kosten von 200 bis 600 Euro selbst tragen. Dies könnten sich gerade junge Familien oft nicht leisten.


„Der Bewertungsausschuss der Ärzte ist weit über das Ziel hinausgeschossen“, so Rat. Besser sei es, klare Regeln aufzustellen, wann auf die Narkose zurückgegriffen werden darf. Die Aufstellung eines solchen Indikationskataloges sei Sache des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem im Gegensatz zum Bewertungsausschuss auch Vertreter der Zahnärzte angehören.


Für Rückfragen:


Pressestelle der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns,
Julika Sandt, Telefon: 089 72401-184
Leo Hofmeier, Telefon: 089 72401-214
E-Mail: presse(at)kzvb.de

 

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Kinder mit Reformschmerzen

 „Die Pläne, Narkosen aus dem Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen zu streichen, machen die schmerzhaften Auswüchse von Budgets im Gesundheitswesen spürbar“, kritisiert Dr. Janusz Rat, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB).
 
Ob Unfall oder Nuckelflaschenkaries: Der Bewertungsausschuss der Ärzte hat entschieden, dass die Kassen ab 1. Oktober 2006 keine Vollnarkose mehr zahlen – auch wenn eine große Gebiss-Sanierung bei einem Kind ansteht. „Wenn diese Entscheidung nicht gekippt wird, ist das ein Rückfall ins Mittelalter", warnt Rat.

Ohne die Zahnärzte zu fragen, hatte der ärztliche Ausschuss seinen Beschluss gefasst. Das Motiv: Die Kosten für die Narkosen – im letzten Jahr rund 280 Millionen Euro – gehen zu Lasten des Ärztebudgets. Rat stellt fest: „Der Vorfall beleuchtet, dass Budgets Zahnschmerzen verursachen. Reformen, die die Mittel im Gesundheitswesen reduzieren, schaden der Gesundheit. Wenn Politiker behaupten, es gäbe noch Rationalisierungsreserven im System, ist das Wunschdenken.“

Rat zufolge kommt die ITN vor allem bei Kindern zum Einsatz, deren Gebiss in einem sehr schlechten Zustand ist. In Einzelfällen sei eine ITN aber auch bei Behinderten und Angstpatienten nötig. Mit einer ITN könne bei einer Behandlungssitzung eine komplette Gebisssanierung erfolgen. Kassenpatienten müssten die Kosten von 200 bis 600 Euro selbst tragen. Dies könnten sich gerade junge Familien oft nicht leisten.

„Der Bewertungsausschuss der Ärzte ist weit über das Ziel hinausgeschossen“, so Rat. Besser sei es, klare Regeln aufzustellen, wann auf die Narkose zurückgegriffen werden darf. Die Aufstellung eines solchen Indikationskataloges sei Sache des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem im Gegensatz zum Bewertungsausschuss auch Vertreter der Zahnärzte angehören.
 
Für Rückfragen:
Pressestelle der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns,
Julika Sandt, Telefon: 089/72401-184, Leo Hofmeier, Telefon: 089/72401-214