Anstellung oder Sozietät

Der Fall

Eine junge Zahnärztin sucht nach ihrer Assistenzzeit eine Praxis zur Übernahme. Sie zögert aber noch, da ihr Partner nicht weiß, wohin ihn der nächste Karrieresprung führt. Auch über die Familiengründung macht sich das Paar Gedanken.

Familie und Praxis – an welchem Ort und was zu welchem Zeitpunkt, das ist die Frage, die sich die junge Kollegin stellt. Die Kosten spielen auch eine Rolle: Soll zuerst ein Eigenheim finanziert werden? Oder soll die Familie übergangsweise zur Miete wohnen, um die Praxisübernahme zu erleichtern?

Und dann geht es plötzlich ganz schnell: Das Paar landet in einer Stadt, die nicht zu den Wunschstädten der jungen Zahnärztin zählte. Hier ist alles zu groß und zu teuer und die Wege sind weit. Die Kollegin ist sich nicht sicher, ob eine sofortige Niederlassung bei der Dichte an Zahnarztpraxen sinnvoll ist und erwägt, sich anstellen zu lassen. Ein Zahnärzte-Ehepaar hat Interesse, da die Zahnärztin bereits eine dreijährige Berufserfahrung vorweisen kann. Die Bedenken, dass sie wegen Schwangerschaft schnell wieder ausfallen würde, geht sie offen an. Nach mehreren Gesprächen steht fest, dass die Chemie stimmt und dies bestätigt sich auch im ersten Jahr ihrer Vollzeittätigkeit beim Ehepaar.

Mit Unterstützung der Eltern wird nach diesem Jahr in der Nähe ein Eigenheim gekauft und als die Kollegin schwanger wird, besteht die Möglichkeit, dass sie nach Ablauf des Mutterschutzes an ihrer bisherigen Stelle eine Viertel-, Halb- oder Dreivierteltätigkeit aufnimmt. Eine Reduzierung der Arbeitszeit muss dem Zulassungsausschuss lediglich angezeigt werden. Für ihre Arbeitgeber bleibt trotz Berufsverbots während der Schwangerschaft und der Mutterschutzfrist das volle Punktevolumen erhalten, unabhängig davon, wann das Berufsverbot eintritt.

Die Abmeldung der Tätigkeit muss erst mit Ende der Mutterschutzzeit bei der zuständigen Bezirksstelle erfolgen, falls die Zahnärztin die Elternzeit in Anspruch nehmen sollte. Nimmt sie ihre Tätigkeit nach der Elternzeit innerhalb von drei Jahren beim gleichen Arbeitgeber wieder auf, muss die Genehmigung zur Tätigkeit beim Zulassungsausschuss zwar neu beantragt werden, es fällt jedoch nur die Antragsgebühr von 120 Euro an. Beim Wechsel des Arbeitgebers fallen für den Antragsteller die vollen Gebühren von 920 Euro an. Möglich wäre auch gewesen, dass sich die drei Behandler nach der Einarbeitungszeit und vor der Schwangerschaft entschließen, eine Praxissozietät zu gründen für den Fall, dass die junge Kollegin kein Berufsverbot wünscht und es sich zutraut, Freiberuflichkeit, Niederlassung und Kinderwunsch unter einen Hut zu bringen.