Die neue Vielfalt des Lesens


Zahnärzte können von E-Books und Tablets profitieren


Unter manchem Christbaum dürfte dieses Jahr ein Lesegerät für elektronische Bücher liegen.
Die Auswahl an sogenannten E-Book-Readern ist riesig. Dieser Artikel soll Technikinteressierten die Kaufentscheidung etwas erleichtern. Die Frage ist auch: Können Zahnärzte einen besonderen Nutzen aus E-Readern, Tablets und E-Books ziehen?

Grundsätzlich kann man zwischen zwei Gerätekategorien unterscheiden:
E-Book-Readern und Tablet-Computern. Wo liegen die Unterschiede?


E-Book-Reader für die Urlaubslektüre

Wer das Gefühl, ein Buch in der Hand zu halten, nicht ganz aufgeben möchte, der wird eher zum E-Book-Reader greifen. Sie wurden für die möglichst „papierähnliche“ Wiedergabe von Texten konzipiert. Der bekannteste Reader auf dem deutschen Markt ist das „Kindle“ von Amazon. Seit fünf Jahren ist der Online-Händler damit erfolgreich. E-Book-Reader verfügen über eine Technologie, die dem Leser dank hoher Auflösung und einem optimalen Kontrast zwischen Hintergrundfarbe und Textfarbe ermüdungsfreies Lesen ermöglicht, selbst beim stundenlangen Lesen im Freien bei Sonnenlicht.

Ein Grund, warum E-Reader bei Urlaubern besonders beliebt sind. Und sie haben weitere Vorteile: Sie sind robust, leicht, haben ein handliches Format und der Akku muss nur alle paar Wochen aufgeladen werden. Außerdem sind sie mit Preisen von 60 bis 180 Euro deutlich günstiger als ein Smartphone oder Tablet-PC. Amazons Kindle unterstützt allerdings nur bestimmte Dateiformate. Das weit verbreitete und von Lesegeräten anderer Hersteller darstellbare EPUB-Format  muss für Amazons Kindle extra umgewandelt werden. Die Online-Buchläden von Libri oder Weltbild setzen dagegen auf E-Books im EPUB-Format.

E-Books sind nicht wesentlich preiswerter als gedruckte Bücher. Die Gründe liegen unter anderem im Urheberrecht, über das die Verlage wachen. So untersagen sie beispielsweise in den Nutzungsbedingungen den Weiterverkauf eines E-Books, nachdem es der Kunde gelesen hat. Zum anderen gilt für Bücher, die in Deutschland verlegt werden, die Buchpreisbindung. Das heißt, Verlage müssen einen einen Preis festlegen, zu dem Verkäufer das Buch anbieten dürfen. Käufer müssen im Durchschnitt mit zehn Euro pro E-Book rechnen.

iPad in der Uni

Tablet Computer für die Fachlektüre

E-Books können natürlich nicht nur mit speziell dafür hergestellten E-Book-Readern gelesen werden. Auch Tablet-Computer wie das iPad eignen sich für die E-Book-Lektüre. Das iPad behauptet seit seiner Einführung vor zwei Jahren den größten Marktanteil. Sinkende Preise könnten die Dominanz von Apple allerdings mittelfristig brechen – ähnlich wie dies auf dem Smartphone-Markt passiert ist. Bereits kurz nach der Einführung des iPads startete die Harvard Medical School einen Pilotversuch, die Geräte für die Ausbildung von Medizinstudenten zu nutzen.

Im Herbst 2010 folgte die Medizinische Fakultät der Universität Münster. Sie stattete Zahnmedizinstudenten im Hauptstudium ebenfalls mit iPads aus. Sie können ihre Tablet-Computer beispielsweise zu Behandlungen mitnehmen. Die Studenten haben über ihre iPads Zugriff auf die Fotos des Kiefers. Mit handelsüblicher Küchenfolie werden die Geräte hygienisch verpackt und können sogar mit Einweghandschuhen noch bedient werden. Ursprünglich nur für den Lehrbetrieb vorgesehen, dürfen die Studenten ihre Tablets inzwischen zu Hause nutzen.

Digitale Dokumentation

Zweifellos können auch Zahnärzte Nutzen aus den mobilen Lesegeräten ziehen. So können User des iPad 2 und 3 Fotos oder Videos, unter anderem zur Befunderhebung, aufnehmen und mittels einer entsprechenden App direkt in der Patientenakte abspeichern. Den Patienten wiederum kann der Zahnarzt die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten anhand von Bildern demonstrieren (siehe auch BZB 4/2012: Unterwegs im App-Land). Wichtig ist es, die Vorschriften des Datenschutzes zu beachten. Wer E-Books auf dem Tablet-PC lesen möchte, verwendet dafür am besten eine geeignete App: Für Apple ist die kostenlose App „iBooks“ verfügbar, für Android-Tablets unter anderem der ebenfalls kostenlose „Moon+ Reader“. Der Vorteil der überwiegend deutlich teureren Tablets gegenüber E-Book-Readern besteht in den vielfältigeren Anwendungsmöglichkeiten: Man kann darauf zum Beispiel Röntgenbilder und Fotos anschauen, selbst Fotos aufnehmen und in der Patientenakte hinterlegen, Videos abspielen und Präsentationen erstellen. Die steigende Bereitschaft wissenschaftlicher Bibliotheken, ihr E-Book-Angebot zu erweitern, dürfte Tablet-Computer bei Studierenden, Lehrenden und Praktikern immer beliebter machen.

Es werden schon heute einige E-Books angeboten, in denen Fotos und Videos als Veranschaulichungsmaterial den Text ergänzen. Derartig erweiterte E-Books werden als enhanced (multimedial erweiterte, angereicherte) E-Books bezeichnet. Ken Follets Romane „Sturz der Titanen“ und „Winter der Welt“ beispielsweise bieten dem Leser der enhanced E-Book-Ausgabe als Zusatznutzen Video-Interviews des Autors, Stammbäume, Landkarten und Verlinkungen auf passende Wikipedia-Artikel. Enhanced E-Books dienen nicht nur dem Freizeitvergnügen: Animierte Grafiken, interaktive Multiple-Choice-Abfragen und die fortlaufende Aktualisierung der Inhalte erleichtern Medizinstudenten das Lernen. Auch die Suchmöglichkeit nach Schlagwörtern und integrierte Glossare sprechen für den professionellen Einsatz.

Allerdings ist das Angebot an medizinischer Fachliteratur in diesem Bereich überschaubar: Dr. med. Gerd Herolds „Innere Medizin 2012“ ist eines der stark beworbenen enhanced E-Books.

Zeitungslandschaft im Umbruch

Teils aus Sparzwang angesichts der Zeitungs- und Zeitschriftenkrise, teils um den Lesern einen Mehrwert zu bieten: Die Mehrheit der deutschen Verlage setzt auf digitale Ausgaben ihrer Zeitungen. Oft bewerben sie diese als „E-Paper“, obwohl die Bezeichnung zu Missverständnissen führen kann. Im angloamerikanischen Sprachraum wird unter E-Paper die Technologie zur Bildschirmanzeige von Texten in einer „Tinte auf Papier“-ähnlichen Optik verstanden. Digital publizierte Zeitungen und Zeitschriften dagegen werden E-Newspaper, E-Mags oder E-Journals genannt. Für viele Zeitungen, zum Beispiel die Ärzte Zeitung, gilt seit Kurzem das selbstgewählte Motto: „Online first“. Die „Ärzte Zeitung digital“ erscheint über die iPad-App bereits am Vorabend des Druckausgabe-Datums. Andere Publikationen wie die Newsweek setzen auf „Online-only“ beziehungsweise „All-Digital“: Das Magazin erscheint ab 2013 nur noch digital. Ob Gedrucktes durch diese Entwicklungen verdrängt wird, wird in den kommenden Jahren wohl für reichlichen Diskussionsstoff sorgen.

Unumstritten ist die Erkenntnis, zu der Buchwissenschaftler der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz anlässlich ihres Vergleichs des Leseverhaltens von gedruckten und elektronisch dargestellten Texten kamen: „Es gibt keinen Clash der Lese-Kulturen – ob analog oder digital, Lesen bleibt die wichtigste Kulturtechnik.“