Zahnärztliche Versorgung von Asylbewerbern


FAQs zur zahnmedizinischen Behandlung von Asylbewerbern in Bayern

Der anhaltende Flüchtlingsstrom stellt derzeit die Bevölkerung in ganz Deutschland vor
große Herausforderungen. Allein aus der großen Anzahl der Flüchtlinge ergeben sich zurzeit
Versorgungsfragen, die auch die zahnmedizinische Versorgung dieser mitunter stark
traumatisierten Menschen betreffen.
Die bisher meist gestellten Fragen im Zusammenhang mit der Behandlung dieser Patienten
und die dazugehörigen Antworten haben wir in dieser Liste für Sie zusammengestellt. 

Leistungsverzeichnis (Positivliste) für Asylbewerber

Bereits im Frühjahr hatte die Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns Gespräche mit dem Bayerischen Landkreistag, dem Bayerischen Städtetag sowie dem Verband der Bayerischen Bezirken aufgenommen, um die bestehende Vereinbarung für die Behandlung der Leistungsberechtigten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) zu überarbeiten. Dabei ist von beiden Seiten der Wunsch geäußert worden, die abrechenbaren Leistungen gemäß dem Bundeseinheitlichen Bewertungsmaßstab (BEMA) für den Bereich der konservierenden/chirurgischen Behandlungen festzulegen. Die KZVB hat dieses Leistungsverzeichnis erstellt und mit dem Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration abgestimmt. Das Leistungsverzeichnis kann bei den Leistungsberechtigten nach § 1 des Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) angewendet werden. Bei Leistungsberechtigten nach § 1a AsylbLG, das sind die Asylbewerber, die kurz vor der Abschiebung stehen, findet das Leistungsverzeichnis nur sehr eingeschränkte Anwendung (siehe FAQs). Beachten Sie die entsprechende Eintragung im Zahnbehandlungsschein. In diesem Zusammenhang weisen wir auf die Rote Abrechnungsmappe hin (SOKO – 8 – 1 bis 8 – 11 und Anlage 3).

Sofern Leistungen erbracht werden müssen, die im Leistungsverzeichnis nicht gelistet sind, ist eine Genehmigung beim Kostenträger einzuholen.

Anamnesebögen und Patientenbögen

Sprachbarrieren abbbauen - Gisela Sandmann vom Zahnärztlichen Bezirksverband Niederbayern erstellte Aufklärungsbögen für Asylbewerber. Diese können Sie hier herunterladen:

 

Albanisch (Shqip) Anamnesebogen
Albanien, Kosovo Patientenbogen
Amharisch (Äthiopien) *1 Anamnesebogen
Patientenbogen
Arabisch (Syrien) Anamnesebogen
Patientenbogen
Englisch / Arabisch (Syrien) Anamnese-/Patientenbogen
Englisch Anamnesebogen
Patientenbogen
Französisch Anamnesebogen
Patientenbogen
Persisch (Farsi, Dari) *2 Anamnesebogen
Iran, Afghanistan, Tadschikistan Patientenbogen
Polnisch Anamnesebogen
Patientenbogen
Rumänisch Anamnesebogen
Patientenbogen
Russisch Anamnesebogen
Patientenbogen
Ungarisch Anamnesebogen
Patientenbogen

 

Anmerkungen zu folgenden Sprachgruppen:

Arabisch:
 ist unter anderem Amtssprache im Irak, Syrien, Algerien, Marokko und Tunesien, in Eritrea, Somalia und Sudan.

*1 Das Amharische ist Amtssprache in Äthiopien. Oft sprechen auch in Äthiopien aufgewachsene Eritreer amharisch, sowie in Dschibuti lebende Äthiopier.

*2 Die persische Sprache  ist Amtsprache im Iran. Sie wird dort als Fārsī (فارسی) bezeichnet. Ebenso ist sie Amtsprache in Afghanistan: Fārsī-yi Darī (درى) ist die offizielle Bezeichnung in Afghanistan („afghanisches Persisch“) und Pakistan. In Tadschikistan: Tādschikī.
Zudem sprechen in zahlreichen anderen Ländern viele Menschen persisch: insbesondere in Usbekistan, Aserbaidschan, Pakistan, Nordindien und dem Irak.


In Pakistan werden als Amtssprache Urdu und die englische Sprache verwendet. Urdu hat einen Anteil an Lehnwörtern arabischen und persischen Ursprungs.


Ratgeber Gesundheit für Asylsuchende in Deutschland

Das Bundesministerium für Gesundheit hat am 15. Januar den "Ratgeber Gesundheit für Asylsuchende in Deutschland" veröffentlicht. Der Ratgeber wurde in Zusammenarbeit mit dem Ethno-Medizinischen Zentrum e.V. und in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden aus Bund und Bundesländern erstellt.

Der Ratgeber informiert Asylsuchende über wichtige Grundzüge der Gesundheitsversorgung in Deutschland und das Verhalten im Falle einer Erkrankung. Er gibt Hinweise zum Schutz der eigenen Gesundheit sowie zur notwendigen und verpflichtenden Erstuntersuchung nach der Ankunft in Deutschland. Gleichzeitig dient er Behörden und medizinischem Personal vor Ort als Hilfestellung und enthält einen mehrsprachigen, herausnehmbaren Impfausweis.

Der Gesundheitsratgeber erscheint in Deutsch, Englisch, Arabisch, Kurdisch (Kurmanci) und Paschto. Damit ist er in den Sprachen erhältlich, die Asylsuchende am häufigsten sprechen. Er kann unter www.Ratgeber-Gesundheit-fuer-Asylsuchende.de bestellt werden und ist als PDF zum Download sowie als Online-Version auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums verfügbar:

Übersichtsseite mit allen PDFs

Bei Medikamenten-Verordnung religiöse Vorgaben respektieren

Der Islam verbietet - wie das Judentum - Schweinefleisch zu essen. Das kann Konsequenzen haben für die Verschreibung von Medikamenten, die in Hartkapseln vertrieben werden. Im Sinne der Patientenautonomie ist es, wenn der Behandler den Patient entsprechend aufklärt und ihm damit die Möglichkeit gibt, die Einnahme von vornherein abzulehnen oder Vor- und Nachteile abzuwägen.
Mehr Infos auf zm-online.de

Akut behandlungsbedürftige Infektionskrankheiten

Unter den derzeitig zahlreich eintreffenden Asylsuchenden kam es in den letzten Wochen zum vereinzelten Auftreten schwerer, seltener, zum Teil mit der Fluchtreise assoziierter Erkrankungen. Daher sollte medizinisches Personal, welches Asylsuchende (sowie Asylbewerber, Flüchtlinge) betreut, auf einige dieser für Deutschland ungewöhnlichen Erkrankungen vorbereitet sein. Das Robert-Koch Institut hat im September 2015 eine tabellerarische Übersicht veröffentlicht. Ausgehend von einzelnen Fällen der in der Tabelle aufgezählten Erkrankungen ist eine Ausbreitung in die Allgemeinbevölkerung sehr unwahrscheinlich!
Tabellarische Übersicht (PDF)

Weiterführende Informationen hat das Robert-Koch Institut in einer Linkliste zusammengestellt.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat ein Merkblatt für ehrenamtliche Asylhelferinnen und -helfer zum Umgang mit Asybewerbern in Bezug auf mögliche Infektionsgefährdungen erstellt (Stand 15.09.2015).

Versicherungsschutz bei Flüchtlingsbehandlung

Die Deutsche Ärzteversicherung garantiert Zahnärzten, die ambulante Behandlungen von Flüchtlingen vornehmen, Versicherungsschutz in der Berufshaftpflicht-Versicherung. Wie die Ärzteversicherung mitteilt, gilt dies für alle laufenden Berufshaftpflichtverträge von Ärzten und Zahnärzten. Jedem Arzt und Zahnarzt werde zwar auf Wunsch eine entsprechende Versicherungsbestätigung ausgestellt. Diese Regelung gelte aber auch ohne explizite Bestätigung für alle versicherten Ärzte und Zahnärzte. "Der Versicherungsschutz gilt sowohl für privatrechtliche Ansprüche als auch für öffentlich-rechtliche Ansprüche des jeweiligen Bundeslandes bei grob fahrlässigem Verhalten des Behandelnden", heißt es.
Mehr Infos auf zm-online.de